Hollenlauf, 101k, 14:01:21 = 8:20 Min / Km
10. M40 von 12, 62. M von 82, Gesamt 75. von 95
Nach fast zwei Monaten mehr oder weniger gezwungener Wettkampfpause wollte ich unbedingt in Bödefeld laufen. Am Vorabend des Laufs waren sie dann wieder da: Das Knie und die Achillessehne machten auf sich aufmerksam. Aber diesmal war der Kopf stärker. Schließlich habe ich schon genug verzichtet: Kein WHEW100, kein Mallorca Ultra (ok, das lag daran, dass mein Gepäck verschwand)und keine 24 Std. am Seilersee.
In Bödefeld war ich nicht gemeldet, eigentlich kam der Lauf 2014 nicht in meiner Jahresplanung vor. Aber die Umstände machten es möglich und so meldete ich mich Freitag vor Ort nach. Natürlich für die 101km Strecke.
So richtig dachte ich aber noch gar nicht an die 101 km, auch nicht morgens am Start. Ich wollte nur erstmal die knapp 14 km lange Einführungsrunde um Bödefeld hinter mich bringen und dann mal sehen. Das Wetter war eigentlich bei Start des Laufs optimal, bedeckter Himmel, kein Regen, nicht zu warm. Ich lief verhalten los und war zufrieden, als ich den ersten langen Anstieg ohne Probleme bewältigen konnte. Die Zeit spielte diesmal keine Rolle, ich hatte auch gar keine Uhr dabei. Ich lief einfach in meinem Wohlfühltempo. Trotzdem musste ich aufpassen, mich nicht von anderen ziehen zu lassen.
Am Ende der Einführungsrunde hielt ich mich nicht lange an der Verpflegung auf, ich wollte einfach nur schnell weiter. Nächstes Ziel: Kahler Asten. Da muss ich rüber kommen, da schaff ich es auch bis Kühude, wo die 67km Läufer umkehren. Den Anstieg bis Nasse Wiese bin ich weitgehend zügig hochgewandert. An der Verpflegung wurden wir dann das erste Mal gechipt. Die Zwischenzeiten erhalten im Ziel alle auf einem kleinen Ausdruck ausgehändigt. Daraus ging dann auch hervor, dass ich knapp über 7 Min/ Km lief. Während des Laufs wusste ich nichts davon, und wenn ich es gewusst hätte, wäre es mir egal gewesen. Bis Altastenberg kommt abgesehen von ein paar kleinen Rampen nun kein anspruchsvoller Anstieg mehr. Das Teilstück konnte ich locker bis zum dann folgenden Anstieg zum Kahlen Asten durchlaufen. Dort traf ich auch einen Läufer, der aufgrund von Knieproblemen heute nur mit dem Fahrrad dabei sein konnte. Gute Besserung!
Die Skipiste hochzulaufen ist immer ein Highlight für mich. Zum ersten Mal in drei Jahren war oben kein Nebel und ich hatte freien Blick zur Hütte auf dem Berg.
Als ich oben war, wusste ich schon, dass ich heute wahrscheinlich nicht in Kühude umkehren würde. Und so kam es auch. Dadurch, dass ich unterwegs immer jemanden traf, mit dem ich unterhalten konnte, merkte ich die Distanz kaum. Schon war ich am Wendepunkt und dachte überhaupt nicht daran umzukehren, obwohl ich hier einige Läufer traf, die nicht weiter wollten.
Jetzt war also der Rhein-Weser-Turm das nächste Ziel. Es regnete nun und der vorher schon sehr nasse Untergrund wurde immer tiefer und matschiger. Und dann passierte es: Ich hab mich mal wieder voll auf die Fresse gehauen. Kurz vor km 45 bin ich neben einer tiefen Reifenspur gelaufen, dann abgerutscht und schon lag ich. Und zwar mit dem Gesicht voran im Matsch. Lecker. Dabei bekam ich auch noch einen Krampf im Bein, so dass ich für kurze Zeit etwas hilflos versuchte, aufzustehen. Aber es ist mir zum Glück nichts weiter passiert, außer dass ich nun von oben bis unten verdreckt war. Andere machten sich später Sorgen, als sie mich so zu Gesicht bekamen und ich musste immer sehr deutlich erklären, dass es mir gut geht. Ich kam dann ganz gut weiter voran, am nächsten langen Anstieg hinter Jagdhaus konnte ich mich am Bach auch etwas sauber machen. Dann lief ich den ganzen Anstieg hoch. Das hatte dan doch mehr Kraft gekostet als mir lieb war, denn anschließend geht es bis zum Wendepunkt mehr oder weniger nur noch durch Schlamm und über Wurzelwege. Ich war nun doch etwas kaputt.
Am Wendepunkt aß ich erst einmal etwas. Bisher hatte ich nur ein paar Rosinen genommen. Dann nahm ich mir vor, mit den Stöckern zurückzuwandern, denn es war nun doch teilweise sehr glitschiger Untergrund. Mit den Stöckern kam ich auch gut voran und setze mir nun wieder das Ziel Kühude. Die Anstiege wanderte ich nun hoch, sonst lief ich. Hinter Jagdhaus wurde es mir dann mit dem Regen doch etwas viel und ich zog mir meine Regenjacke über. Das reichte, richtig kalt wurde mir nicht.Ich fragte dann an den Verpflegungsstationen nun doch nach der Uhrzeit um zu erfahren, dass ich eigentlich locker vor Zielschluss ankommen müsste. Am Rhein-Weser-Turm war ich nämlich nach knapp 7 Stunden angekommen, das hieß ich hatte noch 8 einhalb Stunden für den 44 km langen Rückweg.
In Kühude machte ich dann nochmal eine etwas längere Pause und nahm gerne einen Becher warme Brühe. Von hier an lief ich nun immer weniger. Ich wurde auch von immer mehr Läufern überholt. Davon ließ ich mich aber gar nicht beeindrucken, mein Ziel war nur endlich wieder einen Ultra zu finishen. Aber es wurde nun langsam schwer. Fahrradfahren ersetzt keine Laufkilometer durfte ich nun spüren. Ich machte mir nun auch völlig unbegründet Sorgen, rechtzeitig anzukommen. Trotz der vielen Ultras, die ich mittlerweile als Erfahrung mitbringe, bin ich immer noch zu ungeduldig. Aber ich wusste, dass ich diesen Lauf nicht mit den Beinen sondern mit dem Kopf zu Ende laufen würde.
Nachdem ich den Kahlen Asten hochgekrochen war und irgendwie den Steilhang auf der anderen Seite bewältigen konnte, bereitete ich mich nun auf das nervige Teilstück nach Nasse Wiese vor. Hier muss man sich weiter in Geduld üben, denn die Rampen sind teilweise sehr steil und der letzte Anstieg zieht sich in die Länge. Und diesmal kam hinzu, dass es sehr matschig war und man durch kleine Bäche waten musste.
An der Verpflegung Nasse Wiese wusste ich dann, dass ich den Lauf finishen werde. Von hier an geht es überwiegend bergab. Und wie! Meine Oberschenkel brannten bei jedem Schritt, da halfen auch die Stöcker kaum noch. Die letzte Verpflegung ließ ich aus und ging weiter. Die letzten drei Kilometer legte ich wandernd zurück, an laufen war nicht mehr zu denken.
das war aber alles egal, wichtig war nur, durch Ziel zu laufen. Man war ich froh, als ich in Bödefeld ankam!
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Sonntag, 11. Mai 2014
Sonntag, 12. Mai 2013
7. Bödefelder Hollenlauf
Hollenlauf, 101k, 12:13:25 = 7,15 Min / Km
4. M35 von 6, 33. M von 65, Gesamt 40. von 79

Samstagmorgen, 4.45 Uhr, Bödefeld, Parkplatz vor der Schützenhalle: Mein Wecker klingelt. Überraschend ruhig war die Nacht. Ich pelle mich aus dem Bulli und freue mich schon auf das traditionelle Läuferfrühstück. Aber erst muss ich mich noch nachmelden, diesmal soll es die ganz lange Strecke sein.
Letztes Jahr war ich schon einmal hier in Bödefeld, damals fanden auf der 67 km Strecke die vom DUV ausgetragegenen Deutschen Meisterschaften im Ultratrailrunning statt. Einen Teil der Strecke kenne ich also schon. Diesmal wollte ich sie ganz kennenlernen.

Ich laufe gerne im Sauerland. Es sind wunderschöne Landschaftsläufe, die hier stattfinden. Deshalb ist es gar keine Frage ob VIVAWEST oder Hollenlauf. Ok, manche können beides.
Am Start finden sich dann um kurz vor halb sieben die teilweise noch recht verschlafen aussehenden Läufer ein. Die Ultras starten zusammen. Jeder kann sich bis Kilometer 40 nochmal überlegen ob er kurz oder lang laufen will.
Mal wieder höre ich kaum, was der Orgachef uns mit auf den Weg gibt. Aber ich habe die Notfallnummer noch vom letzten Jahr im Handy. Und sonst kenn ich mich ja schon etwas aus.
Genau wie letztes Jahr gehts dann eine Minute verspätete los. Ich verfalle sofort in meinen alten Schlappschritt und finde mich gleich ganz hinten wieder. Was haben die es denn heute alle so eilig? Kurz nach dem Start biegen wir rechts von der Bundesstraße in den Wald ab und erklimmen den ersten Anstieg. Die meisten gehend. Ich heute auch, das habe ich auf Mallorca gelernt. Und mein Mallorcashirt wird auch gleich wiedererkannt. Da gibts was zu erzählen.

Als wir oben ankommen, scheint die Sonne. Wunderbar, es bietet sich der erste Panoramablick. Der Fernsehturm liegt zwar noch im Nebel, aber wir werden den Turm heute immer im Blick haben, nur die Distanz zu ihm wird sich ändern.
Die erste Verpflegung naht und ich begnüge mich noch mit einem Becher Wasser. Dann gehts die ganzen Höhenmeter wieder runter. Ruckzuck sind wir an Pauls Fischteichen und werden schon wieder verpflegt, diesmal mit Malzbier.
Danach ist die Runde schon bald zu Ende und wir kommen zurück nach Bödefeld. Ca. 13 km haben wir nun geschafft, knapp über anderthalb Stunden bin ich jetzt unterwegs. Unter der Brücke werden wir schon wieder mit Getränken versorgt, bevor wir uns jetzt auf die Pendelstrecke begeben. Bis zum Rhein-Weser-Turm sind es von hier noch knapp 44 km. Die müssen dann auch wieder zurückgelaufen werden.

Erstmal gehts bergauf weiter. Und das für eine gute Stunde. Man findet sich zusammen, unterhält sich, verpflegt sich und wundert sich dann, dass man schon den Kontrollpunkt Nasse Wiese erreicht hat. Jetzt sind wir schon auf 818 Meter, gute 400 Höhenmeter waren das auf den 6-7 Kilometern. Jetzt gehts erstmnal wieder runter. Wie es hier runter geht, stellt man meist erst auf dem Rückweg fest. Dann darf man hier wieder hochtraben.
Das Profil bleibt wellig bis zum Verpflegungspunkt Altastenberg. Dort gibt es Rosinen, da nehm ich gleich mal eine Hand voll. Hier treffen wir auch wieder auf die Strecke vom Hochsauerlandlauf. Keiner der Mitläufer kennt diesen schönen Lauf, sind ja auch nur 25 Kilometer.

Kurz darauf stehen wir vor der Wand. Die Skipiste am Kahlen Asten sieht beeindruckend aus, wenn man davorsteht und sie hochlaufen darf. Wobei ich sage, hochlaufen geht noch. Runter nachher ist viel schlimmer.
Auf der anderen Seite des Berges laufen wir durch das Wintertourismusgebiet Lennewiese. Ein ganzes Stück werden wir nun Asphalt treten müssen. Am Verpflegungspunkt frühstücke ich Käsebrote. Dann gehts weiter durch die Tannenbaumschonungen. Ich merke nun, dass ich viel zu schnell unterwegs bin. Eine gewisse Müdigkeit spüre ich auch in den Beinen. Ich nehme das Tempo raus und lasse die anderen laufen. Mit den Kurzstrecklern muss ich heute ja nicht mithalten.

Mein "Plan" war, um 12 Uhr Kühude zu erreichen. Dort ist der Wendepunkt für die 67km Strecke. Angekommen bin ich dort schon um 11.10 Uhr. Wenn sich das mal nicht rächen wird denke ich. Ich werde auf jeden Fall weiterlaufen, auch wenn mich andere dazu animieren wollen, zurückzulaufen. Es geht mir gut. Und so verabschiede ich mich Richtung Rhein-Weser-Turm.

Diesen Teil der Strecke kenne ich nun noch nicht. Ein paar Wanderer sind hier auf dem Rothaarsteig unterwegs, dazu ein paar Mountainbiker, aber kaum noch Läufer. Es wird einsam um mich herum.
Es geht nun immer leicht bergab die nächsten Kilometer. Mitten im Wald befindet sich dann die nächste Verpflegungsstation. Endlich sehe ich auch mal wieder einen Läufer. Dann gehts zurück in die Einsamkeit. Immer weiter gehts runter, das muss ich gleich wieder alles hochlaufen. Als ich in Jagdhaus gerade mal wieder einen Becher Malzbier trinke, kommt schon der erste Läufer aus der Gegenrichtung an. Der ist nun schon gut 17 Kilometer vor mir. Alle Achtung. Erst vereinzelt, dann häufiger kommen mir die anderen Läufer entgegen. Man grüßt sich, wünscht sich alles Gute für den Rückweg. Als der Wald mal wieder etwas lichter wird, sehe ich ihn plötzlich. Den Rhein-Wester-Turm. Aber es ist gar kein richtiger Turm, gemauert aus Stein. Nur ein Stahlungeheuer, was da im Wald steht. Und noch so weit weg...dann bin ich aber schon an der letzten Verpfelgung vor der Wende angekommen. Von hier ist es nun wirklich nicht mehr weit, nur knapp vier Kilometer bis zum Wendepunkt. Und es wird immer trailiger. Dann bin ich auch dort und probiere erstmal ausgiebig die angebotenen Leckereien. Ich halte mich hier ein paar Minuten auf, dann gehts wieder zurück.

Bis zur Wende lief es wirklich gut. Bis auf die üblichen Zipperlein im Knie und Achillessehen war alles prima. Dorch irgendwo zwischen Kilometer 60 und 65 kam jetzt der Hammer. Erst nur leicht, aber doch schon spürbar. Ein wenig konnte ich mich ab Jagdhaus ablenken und bin ein Stück mit einem anderen Läufer quatschend gelaufen. Der x-te Ansteig war irgendwann aber zu viel und ich habe abreissen lassen müssen. Da war Kühude zum Glück schon fast erreicht. Nochmals versuchte ich hier, meine Batterien werder aufzuladen. Cola, Malzbier, Brote, Rosinen. Immer rein mit dem Zeug. Dann trotte ich weiter. Sorgen machte ich mir keine, bis Zielschluss würde ich nämlich zweimal ankommen. Aber es wurde zäh und zäher.

Ich guckte auf die Uhr. Fünf Kilometer bis zur nächsten Station. 45 Minuten gab ich mir dafür. 40 brauchte ich nur. Läuft doch noch. Wieder auftanken, weitertrotten. Wieder Zielvorgabe 9 Min/km. Aber es geht nun mehr hoch als runter oder flach und ich muss lange Strecken gehen. Außerdem setzte nun regen ein. Mit Regenjacke ging es dann wieter, nach 48 minuten war ich an der Station Lennewiese. Passt noch, denn es waren wohl 5,5 km hierher. Blödsinn, sich jetzt noch an der Uhr zu orientieren. Aber irgendwie hilft es weiter. Zum ersten Mal höre ich was von warmen Getränken und Brühe. Ja, eine Brühe nehme ich. Zu heiss, um sie sofort zu trinken, also nehme ich den Becher mit. Man ist die salzig, ich krieg das Zeug kaum runter. Danach gehts mir noch schlechter, mit dem ekligen Geschmack im Mund. Blöde Idee dachte ich noch. Doch 10 Minuten später lief ich plötzlich wieder. Hat die Suppe also doch geholfen.

In Altastenberg war ich dann wieder voll da. Naja, wie man so nach fast 90 Kilometern voll da sein kann. Jetzt nochmal fünf Kilometer mit zum Teil heftigen Rampen und dann ab Nasse Wiese downhill. Das klappte ja besser als gedacht. In Bödefeld gehts nochmal ein Stück im Ort bergan, dann ist das Ziel erreicht.
Trotz Schwächeanfalls bin ich eine Stunde früher im Ziel als geplant. Jetzt habe ich vor den Hundertern auch noch die Angst verloren, nicht aber den Respekt. Aber weiter muss ich erstmal nicht laufen.
4. M35 von 6, 33. M von 65, Gesamt 40. von 79
Samstagmorgen, 4.45 Uhr, Bödefeld, Parkplatz vor der Schützenhalle: Mein Wecker klingelt. Überraschend ruhig war die Nacht. Ich pelle mich aus dem Bulli und freue mich schon auf das traditionelle Läuferfrühstück. Aber erst muss ich mich noch nachmelden, diesmal soll es die ganz lange Strecke sein.
Letztes Jahr war ich schon einmal hier in Bödefeld, damals fanden auf der 67 km Strecke die vom DUV ausgetragegenen Deutschen Meisterschaften im Ultratrailrunning statt. Einen Teil der Strecke kenne ich also schon. Diesmal wollte ich sie ganz kennenlernen.
Ich laufe gerne im Sauerland. Es sind wunderschöne Landschaftsläufe, die hier stattfinden. Deshalb ist es gar keine Frage ob VIVAWEST oder Hollenlauf. Ok, manche können beides.
Am Start finden sich dann um kurz vor halb sieben die teilweise noch recht verschlafen aussehenden Läufer ein. Die Ultras starten zusammen. Jeder kann sich bis Kilometer 40 nochmal überlegen ob er kurz oder lang laufen will.
Mal wieder höre ich kaum, was der Orgachef uns mit auf den Weg gibt. Aber ich habe die Notfallnummer noch vom letzten Jahr im Handy. Und sonst kenn ich mich ja schon etwas aus.
Genau wie letztes Jahr gehts dann eine Minute verspätete los. Ich verfalle sofort in meinen alten Schlappschritt und finde mich gleich ganz hinten wieder. Was haben die es denn heute alle so eilig? Kurz nach dem Start biegen wir rechts von der Bundesstraße in den Wald ab und erklimmen den ersten Anstieg. Die meisten gehend. Ich heute auch, das habe ich auf Mallorca gelernt. Und mein Mallorcashirt wird auch gleich wiedererkannt. Da gibts was zu erzählen.
Als wir oben ankommen, scheint die Sonne. Wunderbar, es bietet sich der erste Panoramablick. Der Fernsehturm liegt zwar noch im Nebel, aber wir werden den Turm heute immer im Blick haben, nur die Distanz zu ihm wird sich ändern.
Die erste Verpflegung naht und ich begnüge mich noch mit einem Becher Wasser. Dann gehts die ganzen Höhenmeter wieder runter. Ruckzuck sind wir an Pauls Fischteichen und werden schon wieder verpflegt, diesmal mit Malzbier.
Danach ist die Runde schon bald zu Ende und wir kommen zurück nach Bödefeld. Ca. 13 km haben wir nun geschafft, knapp über anderthalb Stunden bin ich jetzt unterwegs. Unter der Brücke werden wir schon wieder mit Getränken versorgt, bevor wir uns jetzt auf die Pendelstrecke begeben. Bis zum Rhein-Weser-Turm sind es von hier noch knapp 44 km. Die müssen dann auch wieder zurückgelaufen werden.
Erstmal gehts bergauf weiter. Und das für eine gute Stunde. Man findet sich zusammen, unterhält sich, verpflegt sich und wundert sich dann, dass man schon den Kontrollpunkt Nasse Wiese erreicht hat. Jetzt sind wir schon auf 818 Meter, gute 400 Höhenmeter waren das auf den 6-7 Kilometern. Jetzt gehts erstmnal wieder runter. Wie es hier runter geht, stellt man meist erst auf dem Rückweg fest. Dann darf man hier wieder hochtraben.
Das Profil bleibt wellig bis zum Verpflegungspunkt Altastenberg. Dort gibt es Rosinen, da nehm ich gleich mal eine Hand voll. Hier treffen wir auch wieder auf die Strecke vom Hochsauerlandlauf. Keiner der Mitläufer kennt diesen schönen Lauf, sind ja auch nur 25 Kilometer.
Kurz darauf stehen wir vor der Wand. Die Skipiste am Kahlen Asten sieht beeindruckend aus, wenn man davorsteht und sie hochlaufen darf. Wobei ich sage, hochlaufen geht noch. Runter nachher ist viel schlimmer.
Auf der anderen Seite des Berges laufen wir durch das Wintertourismusgebiet Lennewiese. Ein ganzes Stück werden wir nun Asphalt treten müssen. Am Verpflegungspunkt frühstücke ich Käsebrote. Dann gehts weiter durch die Tannenbaumschonungen. Ich merke nun, dass ich viel zu schnell unterwegs bin. Eine gewisse Müdigkeit spüre ich auch in den Beinen. Ich nehme das Tempo raus und lasse die anderen laufen. Mit den Kurzstrecklern muss ich heute ja nicht mithalten.
Mein "Plan" war, um 12 Uhr Kühude zu erreichen. Dort ist der Wendepunkt für die 67km Strecke. Angekommen bin ich dort schon um 11.10 Uhr. Wenn sich das mal nicht rächen wird denke ich. Ich werde auf jeden Fall weiterlaufen, auch wenn mich andere dazu animieren wollen, zurückzulaufen. Es geht mir gut. Und so verabschiede ich mich Richtung Rhein-Weser-Turm.
Diesen Teil der Strecke kenne ich nun noch nicht. Ein paar Wanderer sind hier auf dem Rothaarsteig unterwegs, dazu ein paar Mountainbiker, aber kaum noch Läufer. Es wird einsam um mich herum.
Es geht nun immer leicht bergab die nächsten Kilometer. Mitten im Wald befindet sich dann die nächste Verpflegungsstation. Endlich sehe ich auch mal wieder einen Läufer. Dann gehts zurück in die Einsamkeit. Immer weiter gehts runter, das muss ich gleich wieder alles hochlaufen. Als ich in Jagdhaus gerade mal wieder einen Becher Malzbier trinke, kommt schon der erste Läufer aus der Gegenrichtung an. Der ist nun schon gut 17 Kilometer vor mir. Alle Achtung. Erst vereinzelt, dann häufiger kommen mir die anderen Läufer entgegen. Man grüßt sich, wünscht sich alles Gute für den Rückweg. Als der Wald mal wieder etwas lichter wird, sehe ich ihn plötzlich. Den Rhein-Wester-Turm. Aber es ist gar kein richtiger Turm, gemauert aus Stein. Nur ein Stahlungeheuer, was da im Wald steht. Und noch so weit weg...dann bin ich aber schon an der letzten Verpfelgung vor der Wende angekommen. Von hier ist es nun wirklich nicht mehr weit, nur knapp vier Kilometer bis zum Wendepunkt. Und es wird immer trailiger. Dann bin ich auch dort und probiere erstmal ausgiebig die angebotenen Leckereien. Ich halte mich hier ein paar Minuten auf, dann gehts wieder zurück.
Bis zur Wende lief es wirklich gut. Bis auf die üblichen Zipperlein im Knie und Achillessehen war alles prima. Dorch irgendwo zwischen Kilometer 60 und 65 kam jetzt der Hammer. Erst nur leicht, aber doch schon spürbar. Ein wenig konnte ich mich ab Jagdhaus ablenken und bin ein Stück mit einem anderen Läufer quatschend gelaufen. Der x-te Ansteig war irgendwann aber zu viel und ich habe abreissen lassen müssen. Da war Kühude zum Glück schon fast erreicht. Nochmals versuchte ich hier, meine Batterien werder aufzuladen. Cola, Malzbier, Brote, Rosinen. Immer rein mit dem Zeug. Dann trotte ich weiter. Sorgen machte ich mir keine, bis Zielschluss würde ich nämlich zweimal ankommen. Aber es wurde zäh und zäher.
Ich guckte auf die Uhr. Fünf Kilometer bis zur nächsten Station. 45 Minuten gab ich mir dafür. 40 brauchte ich nur. Läuft doch noch. Wieder auftanken, weitertrotten. Wieder Zielvorgabe 9 Min/km. Aber es geht nun mehr hoch als runter oder flach und ich muss lange Strecken gehen. Außerdem setzte nun regen ein. Mit Regenjacke ging es dann wieter, nach 48 minuten war ich an der Station Lennewiese. Passt noch, denn es waren wohl 5,5 km hierher. Blödsinn, sich jetzt noch an der Uhr zu orientieren. Aber irgendwie hilft es weiter. Zum ersten Mal höre ich was von warmen Getränken und Brühe. Ja, eine Brühe nehme ich. Zu heiss, um sie sofort zu trinken, also nehme ich den Becher mit. Man ist die salzig, ich krieg das Zeug kaum runter. Danach gehts mir noch schlechter, mit dem ekligen Geschmack im Mund. Blöde Idee dachte ich noch. Doch 10 Minuten später lief ich plötzlich wieder. Hat die Suppe also doch geholfen.
In Altastenberg war ich dann wieder voll da. Naja, wie man so nach fast 90 Kilometern voll da sein kann. Jetzt nochmal fünf Kilometer mit zum Teil heftigen Rampen und dann ab Nasse Wiese downhill. Das klappte ja besser als gedacht. In Bödefeld gehts nochmal ein Stück im Ort bergan, dann ist das Ziel erreicht.
Trotz Schwächeanfalls bin ich eine Stunde früher im Ziel als geplant. Jetzt habe ich vor den Hundertern auch noch die Angst verloren, nicht aber den Respekt. Aber weiter muss ich erstmal nicht laufen.
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